Situation

Die Tragwerksplanung oder eine sachverständige Person plant die Bohrkernentnahme an einem Bestandstragwerk für eine statische Nachrechnung und muss zwischen wirtschaftlich vertretbarem Aufwand, Schädigungspotenzial durch die Bohrungen und statistischer Belastbarkeit entscheiden.

Knackpunkt

Kleine Stichproben (n=4–6) liefern statistisch volatile Quantilwerte und können die tatsächliche Festigkeit erheblich unter- oder überschätzen — größere Stichproben kosten aber Substanz und Geld.

Risiko bei Fehlentscheidung

Bei n=4 ist das Verhältnis 5%-Quantil zu Mittelwert so ungünstig, dass bereits ein einziger ungewöhnlicher Wert die charakteristische Druckfestigkeit drastisch nach unten zieht — die Nachrechnung scheitert rechnerisch, obwohl der Beton real intakt ist.

Lösungsrichtung

Stichprobenumfang folgt zwei Faustregeln: Statistische Belastbarkeit verlangt n ≥ 9 für eine vertretbare Begrenzung der Abminderung beim charakteristischen Wert; aus bautechnischen Gründen darf kleiner gewählt werden, dann sinkt aber die Aussagekraft. DIN EN 13791/A20:2022 erlaubt bei d ≥ 75 mm Stichproben ab n = 3 mit dem k3-Verfahren — Untergrenze, kein Zielwert. Wer mit n < 9 arbeitet, muss die Reduktion begründen und die konservativere Festigkeit akzeptieren. Vorab zwingend: Einteilung in Prüfbereiche nach Bauverfahren, Betonierabschnitten und Materialgüte; indirekte Verfahren wie der Rückprallhammer dienen zur Abgrenzung, nicht zur primären Festigkeitsbestimmung. Wie die k3- und kn-Werte tabellarisch hinterlegt sind und wie vx,min = 0,09 die Auswertung beeinflusst, zeigt Abschnitt 2.3 und 4.2.

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