Situation

Die Tragwerksplanung steht bei der statistischen Auswertung der Bohrkernfestigkeiten vor der Wahl zwischen zwei normativ zugelassenen Verfahren — sie muss entscheiden, welches Verfahren die Stichprobenparameter am realistischsten in einen charakteristischen Wert übersetzt.

Knackpunkt

Beide Verfahren liefern theoretisch bei unsicherer Vorverteilung ähnliche Ergebnisse (Konfidenzniveau 75 %), unterscheiden sich aber im Vorgehen bei kleinen Stichproben und der Berücksichtigung von Vorinformation aus indirekten Prüfverfahren.

Risiko bei Fehlentscheidung

Eine falsche Verfahrenswahl bei kleiner Stichprobe kann die charakteristische Festigkeit um 10–20 % verschieben — mit unmittelbarer Auswirkung auf die Tragfähigkeitsnachweise.

Lösungsrichtung

Beide Verfahren sind normativ zugelassen, mit unterschiedlichen Stärken: DIN EN 13791:2020-02 mit A20:2022-04 nutzt zwei Verfahren nach Stichprobenumfang und Streuung — bei kleinen Stichproben mit niedriger Streuung den k3-Faktor (vx,min = 0,09, mod. Ansatz B), bei großen oder streuenden Stichproben den kn-Faktor (vx,min = 0,08, mod. Ansatz A); Festigkeitsklassen-Zuordnung entfällt. Die Kombination mit indirekten Verfahren (Rückprallhammer) ist in 8.2 geregelt. Das Bayes-Verfahren nach DIN EN 1990 Anhang D nutzt Wahrscheinlichkeitsdichten und ist flexibler für Vorinformation — bei kleinen Stichproben konservativer, bei großen praktisch identisch. Wer indirekte Verfahren kalibriert nutzen will, geht über DIN EN 13791; wer Vorinformation formal einbinden will, über Bayes. Welche Tabellen und neff bei kombinierten Verfahren gelten, dokumentiert Abschnitt 4.

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