Situation
Die Tragwerksplanung will die am Bohrkern bestimmte In-situ-Druckfestigkeit mit Werten aus historischen Statikunterlagen (gemessen am 28-Tage-Normzylinder) vergleichen und muss den Bauwerks-Norm-Unterschied korrekt einrechnen.
Lösungsrichtung
Die am Bohrkern aus dem Bauwerk geprüfte Druckfestigkeit ist systematisch etwa 15 % geringer als am wassergelagerten Normzylinder, weil Verdichtung, Feuchtegehalt, Bohrschädigung und Ausmuscheln angeschnittener Gesteinskörner das Bauteilergebnis nach unten verschieben. DIN EN 13791/A20:2022 berücksichtigt das mit dem Übertragungsfaktor η = 0,85 (entsprechend γconv = 1,15). Entscheidend für die Nachrechnung: Dieser Faktor steckt nach DAfStb-Heft 600 bereits im Teilsicherheitsbeiwert γc = 1,5 — wer ihn zusätzlich auf fck anwendet, doppelt die Sicherheit unbeabsichtigt. Wer am Bohrkern bestimmte Werte direkt in fck = α·fck,is umrechnet, muss konsistent mit dem korrespondierenden γc rechnen und Formate nicht mischen. Welche Untersuchungsbasis den Faktor 0,85 für alle Festigkeitsklassen und Bauteiltypen bestätigt, dokumentiert Abschnitt 5.