Situation

Die Tragwerksplanung argumentiert bei der Nachrechnung eines jahrzehntealten Betonbauwerks, dass der im Gebrauchszustand bereits dauerhaft beanspruchte Beton den Dauerstandseffekt schon zeigt — sie fragt, ob αcc = 0,85 zusätzlich zur am Bohrkern gemessenen Festigkeit angesetzt werden muss.

Knackpunkt

αcc = 0,85 wurde an Laborprobekörpern ohne Vorbelastung abgeleitet — ob die Vorbelastung im Gebrauchszustand am Bauwerk den Dauerstandseffekt vorwegnimmt oder nicht, ist die zentrale Frage für die Übertragbarkeit.

Risiko bei Fehlentscheidung

Wer αcc weglässt, weil der Bestandsbeton angeblich schon vorbelastet ist, überschätzt die nutzbare Festigkeit und unterdimensioniert; wer ihn pauschal anwendet, verschenkt ggf. Reserven am tatsächlich nicht hoch belasteten Bauwerk.

Lösungsrichtung

Untersuchungen an Bohrkernen aus realen Stahlbetonbauwerken zeigen klar: Dauerstandseffekte treten auch bei Bestandsbeton auf, der seit Jahrzehnten unter Dauerlast steht — die Vorbelastung im Gebrauchsbereich nimmt den Effekt nicht vorweg, weil die Belastung unterhalb des kritischen Mikroriss-Niveaus bleibt. Nur bei sehr hoher Vorbelastung deutlich oberhalb des Gebrauchslastniveaus sind die Effekte bereits aktiviert. Praktische Konsequenz: Der Dauerstandsbeiwert αcc = 0,85 (unbewehrt 0,70) ist auch im Nachrechnungswert anzusetzen — die Annahme, der Bestand habe das schon hinter sich, ist messtechnisch nicht belegt. Wer αcc weglässt, überschätzt die nutzbare Festigkeit. Welche Versuchsdaten (Lagerung trocken/nass, druck- vs. biegebelastete Bauteile) die Schlussfolgerung tragen und wie kt für Belastungsbeginn nach 28 Tagen verfeinert, arbeitet Abschnitt 6 aus.

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