Situation
Die Tragwerksplanung muss für eine Brücke mit hohem rechnerischen Querkraftdefizit nach Stufe 1–2 entscheiden, ob ein Stufe-4-Nachweis nach kanadischer CSA S6:19 (MCFT/SMCFT) die fehlende Reserve liefern kann und wann der Aufwand gerechtfertigt ist.
Lösungsrichtung
MCFT/CSA S6:19 ist die in Stufe 4 explizit benannte Alternativnorm — sie liefert die Querkrafttragfähigkeit dehnungsbasiert über Gleichgewichts- und Verträglichkeitsbeziehungen und schließt Längsdehnung εx, Druckstrebenneigung θ und Normalkraft konsistent ein. Die vereinfachte SMCFT (Bentz/Collins) ermöglicht eine geschlossene Lösung ohne Iteration und unterscheidet Beton- und Bewehrungstraganteile. Die SMCFT-Grundgleichung enthält keine Sicherheitsfaktoren — diese sind aus CSA zu ergänzen, eine konsistente Umrechnung auf die deutschen Teilsicherheiten ist Pflicht. Stufe 4 nach MCFT ist sinnvoll, wenn kompensatorische Einschränkungen nicht vertretbar sind oder Verstärkung örtlich unmöglich ist. Welche Eingangsgrößen die MCFT/SMCFT braucht und wo die Grenzen liegen, arbeitet Abschnitt 3.2 mit den Gleichungen für β und θ aus.