Situation
Die Tragwerksplanung steht vor der Aufgabe, für eine ältere Spannbetonbrücke mit gefährdetem Spannstahl rechnerisch nachzuweisen, dass beim Versagen einzelner Spannglieder ausreichend Restspannstahl plus Betonstahlbewehrung verbleibt, bevor der Querschnitt versagt — und dass dies durch sichtbare Rissbildung im Beton angekündigt wird.
Lösungsrichtung
Der querschnittsweise Nachweis trennt zwei Schritte: erst Ermittlung der Restspannstahlfläche bei Rissbildung (häufige Einwirkungen g + Δg + 0,5·p, halbierter Temperaturgradient), dann Restsicherheit unter vollem Verkehr (γg, γp, voller Schwingbeiwert φ, voller ΔT nach DIN 1072:1985-12 — Oberseite wärmer 7,0 K, Unterseite wärmer 3,5 K). Sind die Risse nicht einsehbar oder nicht durch Monitoring detektierbar, gilt der Querschnitt als ohne Ankündigungsverhalten — dann verlangt die Handlungsanweisung weitergehende Maßnahmen bis hin zur messtechnischen Dauerüberwachung. Bauwerke ohne Ankündigung lassen sich nur über Monitoring (oft faseroptisch) und unter Begleitung erfahrener Gutachter:innen weiternutzen. Die vollständigen Bemessungsgleichungen, der Umgang mit Querrichtung und der stochastische Alternativansatz werden in Abschnitten 1.4–1.8 ausgearbeitet.